Von den „Bruststützen“ des 19. Jh. zum Push-Up-BH

Ausstellung zur Geschichte der Unterwäsche

Schon auf Vasen aus der Antike kann man erkennen, dass Frauen bei Sportveranstaltungen Leinenbinden über der Brust getragen haben, um diese zu stützen und zu bedecken. Diese Tradition hielt sich über die folgenden Jahrhunderte, bis Ende des 19. Jh. die erste Veränderung eintrat. Es wurde als anrüchig angesehen, dass man durch den Stoff die Brustwarzen erkennen konnte, so dass man die Leibchen wattierte.

Ab 1889 häuften sich die Patente für „Brusthalter“, „Brustverbesserer“ oder „Frauenleibchen als Brustträger“. Der BH nahm langsam Form an und wurde seit 1914 industriell gerfertigt, womit er langsam aber sicher das unbequeme Korsett ablöste. Als Erfinderin gilt heute Mary Phelps-Jacob aus den USA, die gleichzeitig mit dem Deutschen Hugo Schindler einen Büstenhalter erfand. Dass die Dame alleine als Erfinderin gilt, liegt wohl an ihrer guten Vermarktung.

Das Mieder war noch länger ein Konkurrent, aber nachdem die Büstenhalter nicht mehr ausschließlich aus Leinen, sondern auch anderen Stoffen hergestellt wurden, konnte der Sigeszug nicht mehr aufgehalten werden. Der BH unterlief wie jede Mode bisher einige Inkarnationen, von dem knabenhaften Aussehen der 1920er Jahre über ausfallende Rundungen in den 1930ern bis zu den spitzen Formen der 1950/60er Jahre.

Einen neuen Ansturm auf Dessous gab es Mitte der 1990er Jahre, als der „Wonderbra“ erschien. Der Push-Up-BH löste einen Lingerie-Boom aus. Die Unterwäsche war endgültig im öffentlichen Bewusstsein angekommen und nicht dreckiges oder anrüchiges mehr, wie es in den vorherigen Jahrzehnten der Fall war. So gibt es z. B. Ausstellungen zur Kulturgeschichte der Unterwäsche. Daran werden die Pioniere des ausgehenden 19. Jh. vermutlich nicht gedacht haben.

Bild: Paul-Georg Meister / pixelio.de